Heimantibiose

Liebe Patienten, liebe Eltern,

dieser kleine Erfahrungsbericht ist im Rahmen der Heim-IV unseres Sohnes im Juli/August 2010 entstanden.

Ich bin zunächst mit einem etwas mulmigen Gefühl an die ganze Sache herangegangen und habe mich anfangs sehr unsicher und ängstlich gefühlt. Schliesslich kann man viel falsch machen, und vor allem ist man im Alltag die notwendige strenge Hygiene nicht gewohnt. Aber eigentlich geht alles ganz leicht… jedenfalls, wenn man eine Idee hat, wie es funktioniert. Diese Idee will Ihnen dieser Erfahrungsbericht geben.

Unsere Bilderdokumentation will und kann die Einführung durch geschultes Fachpersonal nicht ersetzen und beschreibt wie WIR die Behandlung zuhause durchgeführt haben. Bitte besprechen Sie in jedem Fall Ihre persönliche Vorgehensweise mit Ihrer Ambulanz.

Viel Spaß beim Lesen und Lernen wünscht

Susi Pfeiffer-Auler

Zunächst kommt alles, was man so braucht, als Komplettlieferung aus der Apotheke: Kühlschrank und diverses Zubehör wie Desinfektionsmittel, Kochsalz, Kanülen, Spritzen, sterile Tücher, Mundschutz, Kompressen, geheimnisvolle Mini-Schläuche (s.u.) mit Druckventilen usw.

Als erstes muss man wissen: Die Medikamentenflaschen müssen einige Stunden vor der Verwendung aus dem Kühlschrank genommen werden (vgl. Flaschenetikett). Es ist ratsam, sich einen Arbeitsplatz zu schaffen, damit alles schnell bereitliegt. Wir hatten vorübergehend das Bügelbrett zur Ablage umfunktioniert.

Mundschutz anziehen (über die Notwendigkeit und Anwendung scheiden sich die Geister), Metallteil nach oben, kann über der Nase gebogen werden.

Hände gründlich waschen und mit sauberem Tuch oder Papiertuch trocknen. Hygienische Händedesinfektion!

Auf dem sterilen Tuch alles bereitlegen und auspacken, was man so braucht: Kochsalz, Kanüle und Spritze, sterile Tupfer, Medikament (v.l.n.r.). Nadel, Kanüle etc. legt man wieder in den Innenteil der eigenen, sterilen Verpackung, bis man sie braucht.

Kochsalzampulle sprühdesinfizieren, aufbrechen und auf sterilem Tuch bereit legen, Hände nochmals desinfizieren. Nadel auf Kanüle aufsetzen (schrauben).

Kochsalz aufziehen und Luft auslassen.

Dann die Nadel abschrauben (Kappe vorher aufsetzen) und entsorgen.

Mini-Verbindungsschlauch (den geheimnisvollen) am Patienten sprühdesinfizieren.

Dann mit steriler Kompresse den Verbindungsschlauch trennen. Altes Medikament abschrauben und Kanüle mit Kochsalz draufschrauben.

Langsam einspritzen!

Übrigens: Wenn man den blauen Stopfen aufhebt, kann man damit die Medikamentenflasche vor dem Entsorgen nochmal verschließen. Eventuelle Reste tropfen dann nicht wild durch die Gegend, vor allem, wenn das Medikament keinen Klemmschieber hat. Dann den Medikamenten-Verschluss-Stopfen sprühdesinfizieren.

Hände desinfizieren, Medikamentenstopfen abschrauben, Kochsalzkanüle vom Verbindungskabel (dem geheimnisvollen) abschrauben, gerne auch mit sterilen Kompressen! Medikament anschrauben. Falls – wie auf dem Bild hier – vorhanden, weißen Klemmschieber öffnen, damit das Medikament auch fließen kann.

Fertig!

Kurzinfo für Heparin

Falls mit Heparin geblockt werden soll, z.B. beim Baden: Ablauf im Prinzip genau wie gehabt, aber man legt sich drei Spritzen/Kanülen zurecht, zwei mit Kochsalz aufziehen, eine mit Heparin (ca. 2ml).

  1. Kochsalz injizieren (Spritze 1)
  2. Nach Kochsalz dann Heparin injizieren. Wenn Heparin eingespritzt ist, mit roter Verschlusskappe Patientenanschluss verschließen, damit man duschen etc. kann.
  3. Wenn Pause beendet werden kann, rote Kappe sprühdesinfizieren, wieder entfernen, wieder Kochsalz (Spritze 3) Und dann das nächste Medikament anschließen.

Kurzinfo zu den geheimnisvollen Mini-Schläuchen

Der kurze geheimnisvolle Mini-Verbindungsschlauch vom Apotheker wird nah an Patienten eingebaut, evtl. direkt an der Braunüle. Der kurze Schlauch hat auf der Medikamentenseite ein automatisches Ventil (blau): wenn z.B. ein Medikament aufgeschraubt ist, wird das Ventil aufgedrückt und das Medikament kann fließen. Wenn da nichts aufgeschraubt ist, ist das Ventil verschlossen und es fließt nichts raus, also auch kein Blut zurück in die Braunüle. Das erspart dem gestressten Heim-IV-Helfer die Handschaltung der diversen 3-Wege-Hähne, die in der Klinik benutzt werden.

Diese Mini-Verbindungsschläuche sollen alle 3-4 Tage erneuert werden. Wenn ein neuer Schlauch eingebaut wird, füllt man ihn mit Kochsalz und Spritze vor, damit keine Luft im Schlauch bleibt. (Verbindungsschläuche, 3-Wege-Kabel etc. können ebenfalls von Ambulanz zu Ambulanz verschieden sein, dh. eventuell unterscheidet sich Ihr Material von dem unseren.)

Im Falle eines allergischen Schocks

Bei Ihrer Heimantibiose sollten immer Notfallmedikamente für das Auftreten eines allergischen Schocks mitgeliefert worden sein. Bitte lassen Sie sich vorab von Ihrer Apotheke oder Ambulanz erklären, was im Notfall zu tun ist. Wichtig: Ruhe bewahren, allergieauslösendes Medikament abstöpseln, Notarzt rufen und Ambulanz informieren.

Schlussbemerkung

Mit wachsender Routine droht die Hygiene nachzulassen, die Geister scheiden sich gelegentlich. Beispielsweise

  • bei der Verwendung des Mundschutzes,
  • bei der Verwendung der sterilen Kompressen zum Öffnen der Anschlüsse.

UNABDINGBAR ist jedoch die hygienische Händedesinfektion und das Steril-Halten der diversen Bestecke.